Wie in 12 Tagen ein Einteiler-Set für die Athleten der Track Champions League angefertigt wurde

Maria David

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Santini

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Licht, Kamera, Skinsuit: Action! Der Kreativdirektor von Santini, Fergus Niland, hat uns erzählt, wie das Unternehmen die Herausforderung, die Einteiler für das außergewöhnliche, innovative Projekt mit dem Namen UCI Track Champions League herzustellen, gemeistert hat. Es schien ein Ding der Unmöglichkeit, in wenigen Tagen 72 Kleidungsstücke für 72 Athletinnen und Athleten anzufertigen. So ist es gelaufen.

Wer, wenn nicht Santini konnte der Aufgabe gewachsen sein, für die erstmalige Veranstaltung der Track Champions League des Weltradsportverbands UCI ein maßgeschneidertes Trikot für jeden Athleten herzustellen? Bei der neu geschaffenen Rennserie traten die weltweit besten Bahnradfahrer in wöchentlichen Rennrunden in reduzierter Form gegeneinander an: Kurz hintereinander wurden Keirin-, Sprint- und Scratch-Rennen sowie Ausscheidungsrennen ausgetragen. Die Aufmerksamkeit wurde dabei immer auf hohem Niveau gehalten, was zur Unterhaltung und zum Vergnügen sowohl der Fernsehzuschauer als auch des Publikums in den verschiedenen Velodromen beitrug. Absicht des UCI war es, die Rennen einer großen Show gleich mit Lichteffekten und Scheinwerfern, Musik mit voller Lautstärke und Lautsprechern auszutragen, um die Athleten und das anwesende Publikum mitzureißen und Begeisterung auszulösen. In diesem Rahmen sollte die Einkleidung der Protagonisten als kennzeichnendes Element zur Show beitragen - und dies ist gelungen. In dieses Abenteuer verwickelt zu werden, war für Santini unglaublich aufregend.

«Als wir anfangs von dieser Idee erfuhren, waren wir begeistert, da der Bahnradsport unserer Meinung nach genau ein solches Format benötigt. Ein brandneues Image für diese Disziplin mit besonderem Augenmerk auf das Thema ‚Gleiches Preisgeld für Männer und Frauen‘ und eine Gelegenheit, um diese Sportart einer breiteren Öffentlichkeit bekannt zu machen» erinnert sich Fergus Niland.

Da Santini seit 1988 Partner des Verbands UCI ist und zahlreiche Profiteams beliefert, kann sich die Marke einer langjährigen Erfahrung bei der Herstellung von Performance-Bekleidung für unterschiedliche Disziplinen rühmen, darunter den Bahnradsport. Ein typisches Beispiel für diese Disziplin ist die Auswahl von Materialien, die bei den Einteilern bestimmte aerodynamische Komponenten widerspiegeln. Diese Kompetenz konnte vor vielen Jahren dank der noch immer bestehenden Kooperation zwischen Santini und dem Radsport-Nationalteam von Australien entwickelt werden. Als die UCI Track Champions League Form annahm, wurde das Unternehmen natürlich als Partner für das Projekt ausgewählt, was jedoch gewisse Schwierigkeiten mit sich brachte. Denn obwohl die ersten Kontakte bereits im März dieses Jahres stattfanden, konnte erst am Ende der Weltmeisterschaft, das heißt Ende Oktober, nach Bekanntgabe der vollständigen Liste der Teilnahmeberechtigten an der UCI Track Champions League mit der Produktion begonnen werden. Das Ergebnis: 72 Athletinnen und Athleten aus 30 Ländern. Und so musste das Unternehmen aus Bergamo die Trikots (im Hinblick auf Größe, Passform und Grafik alle unterschiedlich) in weniger als zwei Wochen herstellen!!

«Als wir das erste Mal vom Projekt UCI Track Champions League hörten, habe ich sofort an die kurzen Produktionszeiten gedacht – so Fergus – und war etwas besorgt, da die Anfertigung von Rennbekleidung für Sportler auf höchstem Niveau extrem komplex ist». Stellen Sie sich vor, was es bedeutet, die exakten Größen von 72 Radsportlerinnen und Radsportlern und die auf die Trikots aufzudruckenden Logos ihrer Sponsoren in einer Zeitspanne einzuholen, die vom Ende der Weltmeisterschaft am 24. Oktober bis zum ersten Event der Rennserie am 6. November in Mallorca reicht. Und was ich ganz zu erwähnen vergessen habe: Jeder Athlet benötigt zwei Einteiler, es mussten also in knapp zwei Wochen mehr als 140 Kleidungsstücke hergestellt werden.

Zusätzlich zu den kurzen Fertigungszeiten bestand die große Schwierigkeit für die Designer von Santini darin, die Skinsuits nur anhand der von den Radsportlern mitgeteilten Größen zu entwickeln. «Normalerweise findet ein persönliches Treffen mit den Athleten statt und wir nehmen Maß, wie es ein Schneider tut. Dies ist die Idealsituation, aber in diesem Fall hatten wir nicht die Zeit dazu – berichtet uns Fergus. – Zum Glück konnten wir auf die Unterstützung des UCI zählen, der jedem Radsportler ein Formular übermittelte, um Informationen zur eigenen Größe und natürlich die Logos der Sponsoren anzugeben».

Da die Track Champions League, wie die Organisatoren von Discovery Sport Events erklärten, einen dynamischen Übergang zwischen der Weltmeisterschaft und den Weltcup-Rennen darstellt, spielt auch die Bekleidung eine wichtige Rolle. Anstelle des klassischen Designs mit den Nationalflaggen hat Santini leuchtende Muster entworfen, die die einzelnen Nationen, von Algerien bis Neuseeland, repräsentieren. Fergus Niland enthüllt uns die Hintergründe: «Für jedes Land mussten wir einen charakteristischen, erkennbaren Look kreieren, der sich vom standardmäßigen Nationaltrikot unterschied. Gleichzeitig musste dieser Look an das Branding der Track Champions League anknüpfen. Unter dem Aspekt des Designs war diese Arbeit sehr anregend». Der Design Manager von Santini sagt dies mit einem Lächeln - ein Zeichen für die Anstrengung, die es wohl das gesamte Team gekostet hat.

«Die Hauptherausforderung bezüglich des Designs bestand in einer grafischen Kontinuität, aber einige Flaggen weisen ein ähnliches Farbschema auf. Es schien daher auf den ersten Blick schwierig, ein Land vom anderen zu unterscheiden. So haben wir ein großes Blatt mit allen Grafiken ausgedruckt, haben diese miteinander verglichen und durch Arbeit an den Details unser Ziel erreicht» unterstreicht Fergus zufrieden.

Das Feedback der Sportler zum Skinsuit war von Anfang an sehr positiv. Ein Kommentar zum Einteiler: «Ich habe niemals besonders auf den Look eines Trikots geachtet, muss aber sagen, dass jenes, das ich gerade trage, wirklich sehr schön ist – so der Brite Ed Clancy bei seinem letzten Rennen vor Beendigung seiner Karriere –. Mir gefällt, dass die Bekleidung der Athleten mit deren Logo versehen ist und ich habe mich sehr gefreut, mein Logo der Clancy-Briggs Cycling Academy darauf wiederzufinden».

Katie Archibald, Landsmännin von Clancy, hat die Endurance League der Frauen gewonnen und das Gefühl ihres Skinsuits während des Rennens sehr geschätzt. Da sie ab der Eröffnungsrunde die Rangliste anführte, trug sie nicht das offizielle Trikot des britischen Teams, sondern das hellblaue Führungstrikot: «Ein wunderschöner Einteiler, aber die leicht erkennbare Grafik des Ranglistenersten erlaubte mir nicht, mich beim Scratch-Rennen unter die Gruppe zu mischen». Kleine Tricks beim Bahnrennen.

Im Gegensatz dazu trug ein Trikot mit derart hervorstechenden Farben Nicholas Paul zufolge dazu bei, seinem Land, Trinidad und Tobago, Visibilität zu verleihen. «Es freut mich immer, die Farben Rot, Weiß und Schwarz zu tragen, um mein Land zur Schau zu stellen. Den Leuten zu zeigen, dass Trinidad und Tobago, ein kleiner Inselstaat, Radsporttalente hervorbringt, ist großartig und macht mich sehr stolz. – so Nicholas Paul – Ich finde auch, dass das andersartige Design des Trikots in Bezug auf die normalen Landesfarben ein besonderer Aspekt ist, der Aufmerksamkeit auf sich zieht».

Auch wenn es sich für Santini um eine anspruchsvolle Herausforderung handelte, war sich das Unternehmen von Anfang an sicher, den Anforderungen der Organisatoren und des UCI gerecht werden zu können. «Von den Druckern über die Sublimationspressen bis hin zu den Nähmaschinen fand die Herstellung zu 100 Prozent in Italien statt – erwähnt Fergus mit Stolz – und alle für die Fertigung der Bekleidung für die Track Champions League verwendeten Maschinen befinden sich unter einem Dach, nämlich in unserem Werk in Bergamo». Die Anfertigung dieser speziellen Bekleidung erfordert auf Produktionsebene nicht sehr viel mehr Aufwand als üblich, auch wenn sich der Prozess leicht unterscheidet. «Die Einteiler für den Bahnradsport benötigen zusätzliche Arbeit, da wir für jeden Athleten anhand der übermittelten technischen Spezifikationen ein maßgeschneidertes Trikot kreieren, – erzählt Fergus – den echten Mehrwert bildete jedoch die der Produktion vorausgehende Phase, die viel Aufmerksamkeit erforderte, zum Beispiel die kleinen, bei jedem Radsportler angefragten Details. Wir sind stolz, dass wir unser Können unter Beweis stellen konnten».

Dieser engagierte Einsatz wird auch im Hinblick auf die weltweite Visibilität der Marke Nutzen bringen: «Uns war von Anfang an bewusst, dass wir vor einer Herausforderung stehen, und heute können wir sagen, dass wir sie gemeistert haben. Wir sind stolz und glücklich, dass wir an diesem Projekt teilnehmen konnten – schließt Paola Santini, Marketing Manager – Beim Bahnradsport testen wir oft die Aerodynamik unserer Produkte, um deren Performance zu verbessern. Unserer Meinung nach verdienen es solche Events, von einer höchstmöglichen Anzahl an Personen verfolgt zu werden».

Maria David
Maria ist eine britische freie Journalistin, die über Sport- und Radsportthemen schreibt. Sie befasst sich mit allen Aspekten des Radsports, einschließlich Profi- und Amateur-Radrennen, Radsportausrüstung und -bekleidung. Obgleich sie in London wohnt, fährt Maria gerne Fahrrad und nimmt an Radrennen in Großbritannien und im Ausland teil. Regelmäßig unternimmt sie Radreisen in Italien, vor allem in der Lombardei, deren legendäre Anstiege wie zur Wallfahrtskirche Madonna del Ghisallo und im Tal Val d'Intelvi sie liebt. Besonders in Erinnerung geblieben sind ihr die Strapazen einer anstrengenden Überquerung beim Anstieg zum Mortirolopass von der Ortschaft Mazzo!
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